Keeping the Blues alive

Ach Blues – was ist nur aus Dir geworden? Einst warst du die Wiege der wichtigsten Musiker und vieler weiterer Musikgenres des 20 Jahrhunderts. Aber Deine Helden sind alt geworden. B.B. King ist gestorben, John Mayall tourt zwar noch – ist aber schon weit über 80.
Die folgende Generation ist viel zu jung gestorben: Stevie Ray Vaughn starb mit 36 Jahren bei einem Flugzugabsturz, Jeff Healey mit 41 an Krebs. Gary Moore wurde aufgrund eines Herzinfarktes nur 58 Jahre alt.
Die 80er Jahre haben dir auch schwer zugesetzt. Die Band Jackyl hielt es für eine gute Idee, bei einem Blues-Song das Solo – kein Witz – mit einer Kettensäge zu spielen! Das klingt sogar harmonisch – ist aber trotzdem peinlich
Danach war jeder froh darüber, dass es um dich ruhig wurde. Die Plattenfirmen wendeten sich von Dir ab. So lebest du in deiner Nische vor dich hin.
Nur Eric Clapton hielt Dein Fähnchen noch hoch.

Neuerungen oder gar eine Weiterentwicklung – Fehlanzeige. Deine Totenstarre setzte langsam ein.

Bis zum 04.Mai 2009. An diesem Tag betritt ein 32-jähriger Blues-Gittarist die Bühne der Royal-Albert-Hall und spielt das Konzert seines Lebens. Gastmusiker war unter anderem Eric Clapton. Zu diesem Zeitpunkt war Joe Bonamassa 32 Jahre alt und eigentlich viel zu jung für einen ernstzunehmenden Bluesmusiker. Nur: Zu diesem Zeitpunkt hatte Joe bereits 20 Jahre Konzerterfahrung und bereits mehr Kilometer auf die Gitarre zurückgelegt, wie andere Musiker in ihrem Leben.

Biografie

Joe Bonamassa erblickte am am 08.05.1977 in New York das Licht der Welt. 4 Jahre später begann er damit, Gitarre zu spielen. Seine Eltern erkannten sein Talent und förderten ihren Sohn. Somit kam Joe im Alter von 8 Jahren zu seinem ersten Auftritt.
Als Joe 12 Jahre alt war, wurde ein ganz großer auf ihn aufmerksam. B.B. King entdeckte den Jungen und war von ihm begeistert. Der junge Joe führte auf der Bühne allerlei Seltsamkeiten vor – er spielt zum Beispiel ein komplettes Solo mit der Gitarre hinter dem Kopf. Trotzdem war das musikalische Talent klar zu sehen. Um das junge Talent zu fördern, nahm er den 12-jährigen Joe als Vorband mit auf eine einmonatige Tournee. Danach rutschte der junge Joe in das Interesse landesweiter Medien. Mit 13 Jahren wurde eine Vorstellung von ihm im landesweiten Fernsehen gezeigt. Tagsüber der absolut durchschnittliche Schüler – abends spielte er immer wieder bei Konzerten virtuose Soli.

Anfang der Nuller-Jahre spielte Joe immer noch auf kleinen Bühnen. Blues ist eben kein Mainstream. Teilweise spielte er vor nur 50-60 Zuschauern. Seine Konzerte spielte er aber nicht nur in den USA, sondernd auch in Südamreika und Europa und Deutschland. Joe kokettiert gerne damit, dass die Karten für seine damaligen Konzerten in Deutschland einen Biergutschein beinhalteten. Und: diesen Karten waren nicht teurer wie ein Bier. Somit konnte man ja als Konzertbesucher nicht viel falsch machen.

Seit jeher setzt Joe auch konsequent auf das Internet und soziale Netzwerke. In seinen Aufbau-Jahren ermutigte er seine Fans, bei Konzerten mitzufilmen. Nach dem Ende seiner Tournee wurde das beste und erfolgreichste Video ermittelt und eine Fanpaket verschenkt.
Auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht er laufen offizielle Musikvideo, Auszüge aus seinen Konzert-DVDs und bietet dort einen Blick in Seinen Gitarrenwelt.

Durch diese Marketingmaßnahmen in Verbindung mit seinen beständigen Konzerten und Plattenveröffentlichungen erarbeitete er sich über viele Jahre hinweg eine konstant wachsende Fangemeinde.

Aber auch über das Blues-Genre hinaus ist Joe aktiv. Mit seinem ehemaligen Schlagzeuger Tal Bergmann spielte er eine Weile lang in einer Funk-Combo. Mit Glen Hughes (Deep Purple), Derek Sherinian (Billy Idol, Dreamtheater) und Jason Bonham (der Sohn von John Bonham – Led Zeppelin) gründete er die Band „Black Country Communion“ und lässt den Hard-Rock der 70er Jahre wieder aufleben. Im September 2017 wurde das vierte Studioalbum dieser Band veröffentlicht.

Zusammen mit der Soulsängerin Beth Hart lässt er die alte Soulklassiker wieder neu auferstehen.

Durch die Gründung seiner eigenen Plattenfirma in 2006 verschaffte er sich künstlerische Freiheiten. Auf seiner Homepage steht eine komplette Platte zum kostenlosen Download zur Verfügung. Zu jedem neuen Album schenkt Joe seinen Fans einen Song zum download. Zudem gibt es jedes Jahr einen neuen Weihnachtssong.

Joe Bonamassa ist ein Arbeitstier: Er veröffentlicht mindestens ein neues Studio-Album im Jahr. Dazu gibt es dann noch Live-Alben, Platten seiner Nebenprojekte, sowie ca. 200 Tage Tourleben im Jahr.

Konzert-Bericht
Mein letzten Bonamassa-Konzert war am 05.05.2017 in der Porsche-Arena in Stuttgart. Eine kleine (für mich persönlich aber wichtige) Verbeugung der Musikers vor seinen Fans: Der Konzertbeginn ist immer pünktlich auf die Minute um 20h. Es kamen ca. 4.000 Zuschauer, die nach ca. einer halben Stunde das erste Mal zu Standing Ovations aufstanden.

Das aktuelle Konzert ist ein Tribut an die „3 Kings“ des Blues: B.B. King, Albert King und Freddie King. Oh, pretty woman, let the good times roll, Nobody loves but my mother, the thrill is gone und viele weitere Songs erstrahlen im neuen Glanz: Ausgefeilte Arrangements, abwechslungsreiches Schlagzeug, spielfreudige Piano/Orgel-Begleitung, melodische Bläser, kraftvolle Backgroud-Sängerinnen. All das zusammengehalten von Joe Bonamassa, der an der Gitarre und mit seinem Gesang das Zentrum der Band ist.

Innerhalb seiner Soli, eines Liedes und über ein ganzes Konzert hinweg bauen Joe und seine Band Spannungsbögen auf. Seinen Begleitmusikern gönnt er ausgiebige Solopartien. Aber was heißt schon „Begleitmusiker“? Sein aktueller Keyboarder Reese Whyans spielte vor vielen Jahren in der Band „Double Trouble“ zusammen mit Stevie Ray Vaughn. Sein Bassist Michael Rhodes spielte zuletzt für Taylor Swift. Um nur zwei seiner Bandmitglieder zu nennen.

Nach 2 1/2 Stunden nonstop-Konzert ging ein Konzert zu Ende, an das ich heute noch gerne zurückdenke. Die Konzerttermine für 2018 habe ich jedenfalls schon fest im Blick. Vielleicht dann sogar in London in der Royal-Albert-Hall.

Anspieltipps:
Wer Joe und seine Musik kennenlernen möchte, geht einfach auf seinen youtube-Kanal. Dort gibt es aktuell über 300 Videos von ihm in sehr guter Qualität. Außerdem kann man sich mit der Vielseitigkeit seiner Musik vertraut machen (akustisch, elektrisch, Soul, Funk, Hardrock…).

 

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